Posted in Geschichten
25. Mrz 2019

Eine Unentenliche Geschichte

„Die Anatidaephobie ist die Angst, von einer Ente irgendwann, irgendwo beobachtet zu werden.“

phobie-wissen.de

Endlich war wieder schönes Wetter. Die Wolken hingen tief und es nieselte leicht. Alfred hatte seinen Posten auf dem winzigen Anleger bezogen und beobachtete durch den Feldstecher die Umgebung. Sein Blick blieb an Donald hängen, der sich auf der anderen Seite der kleinen Bucht ins Schilf schlug.

„In Position,“ quakte er über das Funkgerät. „Copy,“ antwortete Alfred und schwenkte großzügig über die Uferwiese des Teichs.

Ein Brummen erweckte seine Aufmerksamkeit. Ein Auto parkte am Straßenrand. Die Fahrertür öffnete sich und Dr. Ditsch stieg aus. Seine Augen prüften die Umgebung. Nervös blickte er über die Schulter, griff nach seiner Tasche und klammerte sie an sich. Sein Schlüsselbund klimperte, als er mit zittrigen Fingern den Wagen abschloss. Er wischte sich mit einem Tuch die Stirn ab und ließ den Blick über das Wasser hetzen. Seine Schuhe schmatzten bei jedem Schritt auf der feuchten Wiese. In Ufernähe setzte er sich auf eine Bank.

„Der Erpel ist gelandet“, sagte Alfred in sein Funkgerät. „Wiederhole: Der Erpel ist gelandet.“

„Ich hab ihn im Visier. Ich kann ihn erledigen.“

„Bleib ruhig Donald, heute wird hier niemand erledigt.“

Aus dem Schatten eines Baumes löste sich Mr. Daffy. Der Situation angepasst, in einem zu großen Trenchcoat und Schlapphut gekleidet, watschelte er aus seinem Versteck und setzte sich neben Dr. Ditsch.

„Wo ift der Stoff? Guck‘ mich nicht an! Wo ift der Stoff?“

„Ich … Ich …“, stotterte Dr. Ditsch.

„Warum fo aufgeregt?“

Ditsch wischte sich Mr. Daffys Speichel aus dem Gesicht. „Das … Die Gegend … Das ganze Federvieh hier macht mich nervös!“

„Reif dich zufammen! Wo ift der Stoff?“

Dr. Ditsch kramte in seiner Aktentasche nach der braunen Papiertüte.

„Die find ja noch warm! Ich hab doch gefagt pappig!“

Ditsch schluckte.

„Ift da Falz drauf?“

„Zwei mit Salz eine mit Butter.“

Alfred schmunzelte zufrieden. Er mochte kein Salz.

„Ich … Die Fotos?“ Dr. Ditsch rutschte ungeduldig auf der Bank hin und her. Daffys Hand glitt in seine Manteltasche und zog einen Umschlag heraus. Mit zittrigen Fingern nahm Ditsch ihn an sich und sah hinein.

„Das sind die Falschen. Die sind vom Strandbad!“

Mr. Daffy wedelte mit einem kleinen Schlüssel vor seiner Nase. „Genau, die Richtigen find in Schrank 1420.“

„Woher weiß ich, dass ihr mich nicht reinlegt?“

„Du mufft unf wohl vertrauen. Waf anderef bleibt dir nicht übrig.“

Dr. Ditsch warf die Fotos von sich und sprang auf. „Ihr seid … Verdammte … Federn sollte man euch! Teeren und Federn!“

„Werd‘ nicht ungehalten. Noch haben wir die Negative von deinem FKK-Urlaub!“

„Du bist sicher, ich soll ihn nicht erledigen, Alfred?“, kam es aus dem Walki-Talki.

„Donald, wenn du den Abzug drückst, darfst du nie wieder Heckenschütze sein.“

Am Ufer beruhigte sich Dr. Ditsch zwangsweise. „Okay, gib mir einfach den Schlüssel und wir vergessen diese Angelegenheit.“

„Oh nein, der Zug ift jetzt abgefahren. Ich gebe dir den Schlüffel morgen.“

„Morgen?! Was wollt ihr jetzt haben?“

„Brötchen, aber diefmal pappig!“

„Wo soll ich denn jetzt Brötchen herbekommen!?“

„Frag‘ doch mal Frau Kamps, wenn du dich wieder mit ihr zum FKK triffft.“

Dr. Ditschs Gesicht wurde tiefpurpur. Mit einem Satz versuchte er Mr. Daffy den Schlüssel zu entreißen, verfehlte ihn und blieb der Länge nach im Gras liegen.

„Ich knall‘ ihn ab! Ich knall‘ ihn ab!“

„Donald, nein!“, brüllte Alfred ins Funkgerät.

Unterdessen war Mr. Daffy aufgestanden. Und beugte sich zu seinem Opfer herunter. „Zwei Femmeln und einf mit Körnern!“

Ein Schuss krachte aus dem Schilf. Die Kugel schnitt durch die Niesel-schwangere Luft und riss Mr. Daffy den Hut vom Kopf.

„Donald, du Vollidiot!“ Alfreds Gesichtsfarbe nahm die seines Schals an.

Dr. Ditsch rappelte sich auf, wollte fliehen, wurde aber von Daffy wieder zu Boden gerissen. Umständlich quälte er sich auf die Füße und drehte sich zu seinem Gegner um.

„Jetzt gibt’s Ente süß-sauer!“ Er krempelte sich die Ärmel auf und forderte Daffy zum Kampf. Ein weiterer Schuss kam aus dem Schilf und traf Ditsch am Bein. Schreiend ging er zu Boden.

Daffy stand über ihm. „Ich rufe dir jetzt einen Krankenwagen und morgen bringft du unf die Brötchen. Wir fuchen auch einen rollstuhlgerechten Übergabeplatz.“ Daffy nahm den Schlüssel an sich und verschwand im See.

Comments & Reviews

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*